Die Mühlenaue in Lauenau

Wie aus einem klaren Bächlein ein Schlammloch wurde

Die Mühlenaue ist der ursprüngliche Bachlauf durch Lauenau. Wie der Name schon sagt, betrieb sie einst die Mühle (Lauenau, Im Mühlenwinkel 4 ). Dazu wurde am Oberlauf, dem heutigen Wasserkreuz ein Wehr errichtet, um das Wasser zu regulieren. Am Wasserkreuz am Sportpark treffen die Wasser der Aue und des Pohler bzw. Meinser Bachs zusammen. Die Aue teilt sich dort in die Mühlenaue und die Rodenberger Aue, die als Umleitung von dort an Lauenau vorbeiführt. Hinter Lübbersen fließen beide wieder zusammen.

Während die Mühlenaue, nachdem sie Lauenau hinter Schloss Münchhausen verlässt, in ihrem natürlichen Bett durch die Landschaft mäandert, ist der Lauf der Rodenberger Aue begradigt.

Diese Situation wurde schon vor Jahrhunderten hergestellt. Damals verstand man, das Wasser produktiv zu nutzen, wie die Kurhannoversche Landesaufnahme von 1782 zeigt.

Kurhannoversche Landesaufnahme von 1782

Alles wurde in Stand gehalten und funktionierte bis 1996 sehr gut. Man meinte wohl, die Pflege des Wehrs sei zu aufwendig. So wurde es in eine feste Wasserschwelle aus Dammbalken umgewandelt und die Rodenberger Aue „renaturiert“. Mit dem Erfolg, dass die Mühlenaue seit dem vom Wasser weitgehend abgeschnitten ist.

Heute ist alles ziemlich eingewachsen, wie die Wasserbaumaßnahme aussah, zeigt der Bauplan:

Die Rodenberger Aue wurde mit Strömumgsteilern aus Beton, Spundwänden und einem Umfluter „renaturiert“. Die Mühlenaue mit der geschlossene Konstruktion aus Dammbalken vom Zufluss weitgehend abgeschnitten.

Das Ergebnis: Das Wasser wird fast zu 100% über die Rodenberger Aue abgeleitet. Mit etwas Buschwerk, einem Inselchen und ein paar großen Steine war eine Pseudonatur an der Aue „wiederhergestellt“, wie es sie dort nie gegeben hatte. Man sparte sich den Aufwand der Wartung. Der natürliche Bachlauf der Mühlenaue versiegte, während die Rodenberger Aue nun zum reißenden Strom wurde.

Erschwerend kam hinzu, dass sich mangels Pflege im Mühlenteich des unteren Wehrs große Mengen Schlick und Sediment gesammelt hatten. Das wurde nun zur Reinigung geöffnet und der ganze Morast rutschte in die Aue. Wegen des zu den geringen Durchflusses wurde die Mühlenaue so dauerhaft zu einem trüben Tümpel. Auch die 2014 für 8.000 € am Mühlenwehr installierte automatische Steuerung hat nie funktioniert, sodass das Wehr heute dauerhaft offen steht und das Rinnsahl der Mühlenaue zwischen Schlammpaketen hindurchfließt.

Hier löst sich nichts von selbst!

Da das Problem augenfällig ist und sich nicht von selbst lösen kann, hat Rosita Vollmer (Die Grünen) im Rat des Fleckens Lauenau am 24. April 2017 folgenden Antrag gestellt:

„Antrag auf Begehung der Mühlen- bzw. Pferdeaue durch den Ausschuss für Jugend, Kultur, Umwelt und Wege im Rat des Fleckens Lauenau.

Seit mehreren Jahren gibt es sowohl Probleme an der durch Lauenau fließenden Rodenberger Aue als auch an deren abzweigendem Arm, der Mühlenaue (Pferdeaue), die immer noch nicht behoben sind.

Am Mittwoch, dem 5. April 2017, fand die jährliche Gewässerschau Schaubezirk 3, Rodenberger Aue, Ober-u. Mittellauf mit Nebenflüssen statt. Das protokollierte Ergebnis ist niederschmetternd. Der Zufluss ist durch den Schieber am „Wasserkreuz“ auf ein Minimum reduziert und zusätzlich von angeschwemmtem Gestrüpp verstopft. Praktisch alle hundert Meter ist das Wasser durch Schwemmgut oder im Bachbett liegenden Baumschnitt gestaut. Nach Auskunft von Herrn Faber wird das Mühlenwehr regelmäßig geöffnet, das führt zusätzlich zur Verschlammung, sodass der Bach ab dem Bereich der Brücke am Volkspark „Judenfriedhof“ nur noch ein brackiger Tümpel ist. Nur an wenigen Stellen im Oberlauf ist das ursprüngliche Kiesbett sichtbar. Die Tatsache, dass die am Wasserkreuz zusammenkommende Wassermenge aus Pohler Bach und Rodenberger Aue an der Mühlenaue vorbei über die Rodenberger Aue abfließt, hat zudem an den Böschungen des ehemaligen Grundstück von Meysenbug zu Schäden an der Uferbefestigung geführt. Die Aue hat dort eine so starke Fließgeschwindigkeit, dass die Böschung unterhöhlt wird.

Insgesamt haben die Veränderungen am „Wasserkreuz“ einen Zustand bewirkt, der heute schon zur Beschädigung des Ufers der Rodenberger Aue geführt hat und in Kürze zur vollständigen Verlandung der Mühlenaue führen wird. Das kann so nicht bleiben.

Ich beantrage deshalb:

  1. eine Begehung mit den Ausschussmitgliedern und der Verwaltung, um den Zustand des Gewässers selbst in Augenschein zu nehmen. Dies sollte möglichst bald geschehen, da die Vegetation aktuell noch nicht zu hoch ist.
  2. die Einholung eines unabhängigen Expertengutachtens über Möglichkeiten der Mängelbeseitigung, z.B. von „Die Gewässer-Experten“, Im Alten Breidt 1, 53797 Lohmar, www.gewaesser-experten.de

Dem schließen wir uns an.

Bis heute wurde der Antrag nicht im Ausschuss behandelt

Recherchen nach den Umständen und den Verantwortlichen für die Maßnahme verliefen im Sande. Angeblich war damals die Feuerwehr für das Wehr verantwortlich und der Umbau des „Wasserkreuzes“ soll auf ihre Veranlassung erfolgt sein. Auf Nachfrage beim ehem. Feuerwehrchef und heutigen SPD Ratsherrn Klaus-Werner Volker, versprach der zwar entsprechende Unterlagen herauszusuchen, bis heute aber ohne Erfolg. Deshalb unser Aufruf:

Wer erinnert sich an die Maßnahme und kann Auskunft über Umstände, Beteiligte und den zeitlichen Ablauf geben?

Niemand scheint sich für den Zustand der Mühlenaue zu interessieren. Nach dem Motto: „Wir haben alles richtig gemacht“ schaut man am besten gar nicht hin. Wen interessieren schon natürliche Bachläufe, wo man Natur künstlich herstellen kann. Zumal bislang die Forderung lautete: Wasser muss weg, je schneller desto besser. Die letzten beiden Sommer haben aber gezeigt, wie kurzsichtig dieses Vorgehen ist und wie wichtig natürliche Fließgewässer sind.

UHV53: Gewässerschau abgesagt

Die Gewässerschau vom 23. bis 27. März 2020 ist abgesagt und könnte im Herbst nach der Mähsaison nachgeholt werden.

Unterhaltungsverband 53
Marktstraße 33
30890 Barsinghausen
Telefon: 05105 5840653 – Web: uhv53.de.